ARD alpha Uni Soziologie studieren

Von: Christian Wurzer

Stand: 29.04.2024

Soziologie beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Prozessen, Systemanalysen, politischen Konzepten, Interaktionen der Akteur:innen einer Gesellschaft und Lösungsansätzen für gesellschaftliche Probleme. Für Raphael, Student der an der TU Dresden, ein Abenteuer.

Raphael, 8. Semester Soziologie, TU Dresden | Bild: Harald Vonend BR und picture alliance / Felix Kästle/dpa | Felix Kästle

Zulassungsvoraussetzungen

Die Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder eine fachgebundene Hochschulreife (Fachabitur) sind Zulassungsvoraussetzung für das Studium der Soziologie.
Das Studienfach Soziologie ist normalerweise nicht mit einem Numerus Clausus (NC) belegt. Selten gib es an den Universitäten für den Studiengang eine Zulassungsbeschränkung. Hochschulen bieten den Studiengang Soziologie nur selten an.
Mit einer fachverwandten Berufsausbildung, einem Meisterabschluss oder mit entsprechender Praxiserfahrung in einem einschlägigen Beruf kannst du dich ebenfalls für das Studium bewerben. Du musst dazu zusätzlich ein Beratungsverfahren an der jeweiligen Uni durchlaufen.  
Aktive und passive Englischkenntnisse sind dringend empfohlen. Viel Fachliteratur ist englischsprachig und je nach Universität musst du auch mit Lehrveranstaltungen rechnen, die du zu belegen hast und die auf Grund ihrer Ausrichtung ausschließlich in Englisch stattfinden.

Studiendauer und Studienablauf

Das Bachelorstudium der Soziologie dauert in der Regel sechs Semester. An der TU Dresden, an der auch Raphael studiert, belegst du Module aus folgenden Themenbereichen:

In den Modulen des Grundlagenstudiums beschäftigst du dich mit Fächern wie:

  • Einführung in die Soziologie
  • Methoden empirischer Sozialforschung
  • Soziologische Theorie
  • Mikrosoziologie
  • Makrosoziologie


Im Vertiefungsstudium wählen die Studierenden noch weitere, in der Regel, zwei Schwerpunktmodule. Die TU Dresden bietet Themenbereiche an wie:

  • Kultur und Wissen
  • Lebensformen und Geschlecht
  • Arbeit, Bildung, und soziale Gerechtigkeit
  • Angewandte Methoden


An anderen Universitäten heißen die Themenbereiche ähnlich und haben auch ähnlichen Inhalt. Beachte auch: Je nach Universität sind die Studiengänge mal mehr und mal weniger forschungsorientiert aufgebaut. Die Bezeichnungen der Einzelmodule lassen auf unterschiedliche soziologische und sozialphilosophische Ausrichtungen der Universitäten schließen.
Auslandssemester sind möglich und für die, die einmal international arbeiten wollen, durchaus empfohlen.
Gegen Ende des Studiums wird die Bachelorarbeit verfasst. Sie ist oft mit einem kleinen Forschungsprojekt verbunden. Nach bestandenen Prüfungen verleihen die Universitäten den akademischen Titel Bachelor of Arts (B.A.).

Ein Masterstudium
der Soziologie dauert in der Regel weitere vier Semester. Du baust du deine Kenntnisse aus und wählst Schwerpunktbereiche, die sowohl theoretisch als auch praktisch angelegt sind. Meist haben die angebotenen Schwerpunktbereiche mit Gesellschaftstheorie, Kultur und gesellschaftlicher Interaktion zu tun, Heißen können sie je nach Universität anders – was wiederum etwas auf die thematische Ausrichtung schließen lässt. Immer handelt es sich hier um Tendenzen, eventuell auch soziologische Schulen und Denkkonzepte, die im Hintergrund stehen. Hier das Beispiel der Goethe-Universität Frankfurt:

  • Geschlecht, Migration und Diversität
  • Mikropsychologie, Sozialpsychologie und Kultur
  • Wirtschaft, Arbeit und Organisation
  • Sozialstruktur, Soziale Ungleichheit und Bildung
  • Wissen, Technik und Umwelt
  • Methoden der empirischen Sozialforschung


Mit der Masterarbeit schließt du das Masterstudium ab. An der LMU in München sind sogar Gruppen-Projekte möglich. (Siehe mehr zum Thema unten: Mythos Soziologie Studium) Die Universitäten verleihen nach bestandenen Prüfungen den akademischen Titel Master of Arts (M.A.).

Speziell in Soziologie Man muss sich in fremde Lebenswelten hineindenken können

Raphael, Soziologie-Student an der TU Dresden | Bild: BR | Harald Vonend

"Was in der Soziologie schwierig ist, kommt aus der Soziologie selbst: Die Soziologie ist so vielseitig, vereint viele verschiedene Denkperspektiven in sich und deckt unterschiedlichste Themengebiete ab, dass es fast unmöglich ist, überhaupt einen einzigen roten Faden zu finden. Es gibt nicht DIE Soziologie. Es gibt verschiedene Soziologien. Und verschiedene, fast schon getrennt voneinander existierende Wissenschaftsdisziplinen innerhalb der Soziologie. Darin muss man seinen Weg suchen: Welche Theorie möchte ich erlernen? Was sind meine Interessen? Was sind die Themen und Phänomene, die mich begeistern? Man muss mit Herz dabei sein und Leidenschaft mitbringen."

Raphael, 8. Semester Soziologie, TU Dresden

Diese Skills brauchen Soziologen und Soziologinnen

  • Lesefreude
  • Komplexes Denken
  • Assoziationsvermögen
  • Sozialkompetenz
  • Motivationsfähigkeit
  • Kulturelles Interesse
  • Offenheit für neue Denk- und Gesellschaftskonzepte

Zur Auswahl des Studienorts Auch Studienorte bergen ihre soziologischen „Eigenheiten“

Raphael, Soziologie-Student an der TU Dresden | Bild: BR | Harald Vonend

"In Dresden zu studieren, war für mich als kompletter Wessi aus dem Norden ein riesiger Sprung. Ein Riesenunterschied. Ich würde sagen, dass mir dieser Sprung auch soziologisch viel gebracht hat, weil man wirklich mal gesehen hat, dass es sehr anders sein kann. Dass man sich mit gewissem gesellschaftlichen Realitäten auseinandersetzen muss. Politischer Natur, sozialer Natur – die man vielleicht in dem Ort, in dem man aufgewachsen ist, noch nie gesehen hat."

Raphael, 8. Semester Soziologie, TU Dresden

Beruf, Karriere & Gehalt

Es gibt kein wirkliches Berufsbild für Soziolog:innen. Soziolog:innen hinterfragen Ursprünge und Entwicklungslinien von Gesellschaften. Sie beschäftigen sich mit unterschiedlichen sozialen Phänomenen, wie z. B. sozialen Bewegungen, Subkulturen, Familienstrukturen, Bildungsungleichheit und Globalisierung. Sie haben die Organisation einer ganzen Gesellschaft im Blick, aber auch das Funktionieren einzelner Teile. Überall dort, wo es um die Klärung gesellschaftlicher Fragestellungen geht, ist ein Arbeitsfeld für Leute mit einem Studienabschluss in Soziologie.
Soziologen und Soziologinnen sind für diese Aufgabenstellungen nicht hochgradig spezialisiert, im herkömmlichen Sinne. Ihre Stärke ist die Gesamtsicht. Ihre „Spezialisierung“ besteht in der Fähigkeit, komplexe Probleme als „fachliche Generalist:innen“ anzugehen, zu analysieren und zu benennen. Sie müssen zur Erforschung sehr unterschiedlicher sozialer Phänomene die richtigen Methoden anwenden, um passgenau in theoretischer und empirischer Analyse zu helfen, gesellschaftliche Probleme zu klären und Lösungsansätze zeigen zu können. So bereitet das Studium der Soziologie auf ganz verschiedene Arbeitsfelder vor. Zum Beispiel:

  • Wirtschaft: Hier sind Soziolog:innen Personalabteilungen zu finden, in der Aus- und Weiterbildung, der Datenverarbeitung, der Public Relations, Statistik und nahezu klassisch in der Marktforschung und Produktentwicklung.
  • Verbände und Kammern: Soziolog:innen arbeiten hier in der wissenschaftlichen Beratung, in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in Aus- Und Fortbildungsbildungseinrichtungen und der verbandlichen Jugendarbeit.
  • Parteien nutzen die Skills der Soziolog:innen in der Meinungsforschung, der wissenschaftlichen Beratung und natürlich auch in der Öffentlichkeitsarbeit.
  • Medien: Hier sind Soziolog:innen in allen Funktionen zu finden – bei Verlagen, der Presse, in Rundfunk und Fernsehen. Soziolog:innen arbeiten als Journalist:innen, aber auch in unterschiedlichen Fach- und Leitungsfunktionen in Verlagen und Medienanstalten, der Medienforschung.
  • Behörden und Öffentliche Verwaltung: Soziolog:innen sind involviert, wenn es um die soziale und politische Vorbereitung von Planungsentscheidungen geht – etwa politische Entscheidungen oder Entscheidungen in der Städteplanung. Sie arbeiten mit im Controlling und in der Analyse der Wirkungen von staatlichem Verwaltungshandeln. Außerdem: Wissenschaftliche Dienste zur Politikberatung für staatliche Behörden und Organe wie Landesparlamente, Bundestag, Bundesrat, usw.
  • Internationale Behörden und Organisationen: Politische Stiftungen, NGOs, EU, NATO, UN, GIZ usw.
  • Hochschulen und Universitäten: Soziolog:innen arbeiten in der Lehre und Forschung.
  • Private und öffentliche Beratungs- und Forschungsinstitute

Verdienstaussichten

Soziologen und Soziologinnen verdienen im Schnitt zwischen 4089 Euro brutto und 6236 Euro brutto und im Monat. Mehr ist möglich und hängt von deiner Position im Unternehmen oder der Institution ab, in der du arbeitest.
Leitende und verantwortungsvollere Positionen erreichst du leichter, wenn du zusätzlich zu deinem Bachelorabschluss auch einen Masterabschluss in der Tasche hast. Mit dem Masterabschluss bist zu breiter aufgestellt und intensiver auf anstehende Aufgaben vorbereitet – und das wird auch „bezahlt“.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Wenn du es schaffst, in einer gut situierten Beratungsfirma zu landen, können Gehälter durchaus auch höher liegen.

Wovon lebt das Studium? Soziologie kann nicht ohne „echte Welt“ studiert werden

Raphael, Soziologie-Student an der TU Dresden | Bild: BR | Harald Vonend

"Soziologie als Studium lebt davon, dass man mehr macht, als einfach nur Prüfungen zu schreiben und irgendwann einen Abschluss zu bekommen. Man muss das Wissen ins echte Leben hinaustragen, mit Leuten in Kontakt treten, Diskussionen miterleben und da die Inhalte wirklich mal spüren. Für mich ist die größte Herausforderung: Das Wissen, das man sich aus Texten und Vorlesungen erarbeitet, auch in echten Gesprächen anzuwenden."

Raphael, 8. Semester Soziologie, TU Dresden