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GRIPS Deutsch 27 Dramen, Romane und Kurzgeschichten

Es gibt drei große Literaturgattungen. Zwei davon sind die Epik und Dramatik. Zur Epik gehören Romane, Novellen und Kurzgeschichten. Zur Dramatik zählen Theaterstücke. Was aber sind die Eigenheiten und Unterschiede der Gattungen?

Stand: 20.09.2011 | Archiv |Bildnachweis

Illustration GRIPS Deutschlehrerin- Lektion 27 | BR | Bild: BR

Damit du weißt, um welchen Text es sich eigentlich handelt, ist es gut, die Unterschiede der Texte kennenzulernen. Was macht eine Kurzgeschichte aus, neben ihrer Kürze? Was ist das Dramatische an einem Bühnenstück? Was bedeuten Epik und Dramatik? Und wie erkennst du eine Kurzgeschichte - mit ihr befassen wir uns genauer:

Epik

Zur Epik zählen erzählende Texte in Versform (Gedichtform) oder Prosaform (Fließtext). Der Name leitet sich von "Epos" ab, das ist eine Geschichte in Versform. In Epen wird eine Geschichte von Helden, Rittern oder Adeligen erzählt, keinesfalls von ganz normalen Menschen. Epen sind heute eher altmodisch, sie gaben jedoch der Literaturgattung ihren Namen.

Der bekannteste Vertreter der Epik ist der Roman. Der Roman ist literaturgeschichtlich relativ jung, er trat erst in den letzten 200 - 300 Jahren seinen Siegeszug an. Davor spielten erfundene Erzählungen, die man zur Unterhaltung las, eine sehr geringe Rolle.

Was ist ein Roman?

Erzähler

Wer erzählt?

Die meisten Autoren erfinden einen Erzähler, der den Roman erzählt. Entweder handelt es sich um einen Erzähler in der dritten Person, der einen Überblick über die gesamte Handlung des Romans hat. Oder um einen Ich-Erzähler, der nur aus seiner Sicht beschreiben kann. Seltener ist die Erzähltechnik des Bewusstseinsstroms. Hier gibt es keinen Erzähler, sondern man hat als Leser praktisch direkten Zugang zu den Gedanken des Helden. Für den Leser ist das nicht ganz einfach, denn er muss zuerst die Gedanken einordnen, um der Geschichte überhaupt folgen zu können.

Außer den Langformen der Epik wie Epos, Roman oder Satire, gibt es auch noch Kurzformen wie Novelle, Anekdote oder Kurzgeschichte. Die Kurzgeschichte ist die bekannteste Variante der Kurzformen der Epik.

Was ist eine Kurzgeschichte?

Merkmale

Woran erkennt man eine Kurzgeschichte?

Die Kurzgeschichte ist, wie der Name schon sagt, deutlich kürzer als beispielsweise ein Roman. Eine Kurzgeschichte hat, wenn überhaupt, eine sehr kurze Einleitung. Man befindet sich mit einem Schlag mitten im Geschehen. Genauso plötzlich wie eine Kurzgeschichte anfängt, so plötzlich hört sie auch wieder auf, das Ende bleibt offen. Das lässt dem Leser viele Möglichkeiten sich eigene Gedanken zu machen und sich das Ende zur Geschichte zu denken, das ihm gefällt.

Merkmale der Kurzgeschichte zusammengefasst

Form

Äußere Form

  • kurz, kann auf einmal gelesen werden;
  • kurze oder fehlende Einleitung;
  • der Leser ist sofort mittendrin;
  • plötzliches, offenes Ende.

Beispiel: Badeausflug

Hier kannst du die Kurzgeschichte "Badeausflug" aus dem Film nachlesen. Die Schüler haben eine Weiterführung der Kurzgeschichte geschrieben, auch diese findest du hier.

Die Kurzgeschichte Badeausflug

Die Geschichte

Obwohl der Sonntag wunderschön sonnig und warm war und ich lange geschlafen hatte, fühlte ich mich unbehaglich. Melanie hatte bereits vor einigen Tagen verkündet, dass ihre alte und beste Freundin Jana am Wochenende zu Besuch sein werde. Jana kannte ich bisher nur aus Melanies Erzählungen, da sie inzwischen mehrere Hundert Kilometer entfernt wohnte. Die beiden kannten sich seit ihrer Schulzeit und waren gemeinsam viel gereist. Eine Jana hatte ich auch mal gekannt, aber das war lange her.

Träge nahm ich meine Badesachen aus dem Auto, Tretbootfahren fand ich irgendwie dämlich. Trotzdem trafen wir uns am Bootsverleih, Melanie war mit einer anderen Frau im Gespräch. Mir war etwas flau, da ich es hasste fremden Leuten vorgestellt zu werden. "Da bist du ja!", rief Melanie mir entgegen und erklärte mir, dass dies nun Jana sei und sie bereits sehr gespannt darauf mich kennenzulernen. Ich erstarrte, versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Ich kämpfte plötzlich mit Übelkeit und versuchte tapfer erfreut zu lächeln. Jana. Als würde es mit diesem Namen nicht genügend andere Frauen auf dieser Welt geben ausgerechnet diese Jana! "Oh nein, hättest du nicht da bleiben können, wo du warst? Du machst alles kaputt. Ich mache selbst alles kaputt. Verdammt!" Sie strahlte mich an, schüttelte meine Hand und ich merkte, dass auch sie sich Mühe gab so zu tun, als wären wir Fremde.

Dramatik

Das wichtigste Merkmal der Literaturgattung Dramatik ist, dass die Handlung durch Dialoge (= Gespräch zwischen zwei oder mehr Personen) dargestellt wird. Dramatische Texte sind für ein Publikum geschrieben und sollen auf einer Bühne aufgeführt werden. Es ist natürlich auch möglich sie zu lesen.

Normalerweise wird ein dramatischer Text von verschiedenen Personen gespielt. Ausnahme ist der Monolog, der nur von einem Schauspieler vorgetragen wird. Damit die Akteure so spielen, wie es der Verfasser gern hätte oder meint, gibt er im Text zusätzliche Regieanweisungen. Er bestimmt damit die Stimmung, die Blicke, die Gesten, den Ort oder die Zeit, in der die Handlung spielt. Außerdem gibt er an, welche Requisiten, also Gegenstände für das Stück gebraucht werden.

Ein Drama ist üblicherweise in drei bis fünf Akte (Handlungsabschnitte) eingeteilt, in diesen gibt es unterschiedliche Szenen oder Auftritte. Den Überblick über alle Darsteller und sozusagen das Kommando hat der Regisseur. Es gibt eine Menge Unterarten der Dramatik, beispielsweise Komödien (lustige Stücke) und Tragödien (tragische, traurige Stücke). Im weiteren Sinn ist auch ein Drehbuch, also die Vorlage, nach der ein Film gedreht wird, ein dramatischer Text. Moderne Formen der Dramatik sind zum Beispiel Hörspiele oder Fernsehspiele.

Im Gegensatz zur Epik ist der Zuschauer (beziehungsweise Leser) bei einem dramatischen Text viel gebundener, da viele Dinge vorgegeben sind, die in einem epischen Text völlig der Fantasie des Lesers überlassen werden.







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