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Wärmelehre Die Anomalie des Wassers

Von: Christian Döllinger, Katharina Putz, Claudia Sarrazin, Rupert Ernhofer

Stand: 16.06.2021 |Bildnachweis

Schau dir zunächst das Video auf die folgenden Fragen hin an:

  • Was versteht man unter Sublimation?
  • Worauf ist die Sprengwirkung des Wassers beim Erstarren (Gefrieren) zurückzuführen?
  • Warum schwimmen Eisberge im Wasser?
  • Warum friert ein See von der Oberfläche her zu?

Weiter unten findest du die Antworten auf die Fragen und vertiefende Informationen.

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Grafik zur Anomalie des Wassers | Bild: BR

Wasser hat viele ungewöhnliche Eigenschaften, von denen ihr zwei im Film kennengelernt habt: Es dehnt sich beim Erstarren, also Gefrieren, aus und es hat sein kleinstes Volumen und damit seine größte Dichte nicht bei seinem Schmelzpunkt von 0 °C, sondern bei 4 °C , also ein ganzes Stück oberhalb des Schmelzpunktes.

Davon abgesehen gibt es noch weitere von anderen Stoffen abweichende Eigenschaften: Die für uns wichtigsten sind der hohe Schmelz- und Siedepunkt des Wassers und der große Temperaturbereich, in dem Wasser im flüssigen Zustand vorliegt. Wasser hat die chemische Formel H2O, ein Wassermolekül wird also von einem Sauerstoff- und zwei Wasserstoffatomen gebildet.

Vergleicht man Wasser mit verwandten Verbindungen, die ebenfalls aus zwei Wasserstoffatomen und einem Atom aus der Sauerstoffgruppe des Periodensystems bestehen, so macht man eine überraschende Entdeckung:

 WasserSchwefelwasserstoffSelenwasserstoffTellurwasserstoff
Chem. FormelH2OH2SH2SeH2Te
Relative Molekülmasse183481130
Schmelzpunkt °C0-85,6-60,4-51,0
Siedepunkt °C100-60,8-41,5-1,8
Verdampfungswärme kJ/mol40,618,819,323,4

Schaut man sich nämlich die Stoffe Schwefelwasserstoff, Selenwasserstoff und Tellurwasserstoff an, stellt man fest, dass diese bei Temperaturen schmelzen oder sieden, die umso niedriger sind, je kleiner ihre Molekülmasse ist. Bei Wasser ist das ganz anders: Als leichteste dieser Verbindungen sollte es eigentlich die niedrigsten Schmelz- und Siedepunkte haben. Das Schmelzen sollte also bei einer Temperatur unterhalb von -85,6°C erfolgen, das Sieden unterhalb von -60,8°C – ein krasser Widerspruch zu den tatsächlichen Werten, die weit höher liegen. Außerdem ist der Bereich, in dem Wasser flüssig ist, viel umfassender als bei den verwandten Verbindungen. Ohne diese anomalen Eigenschaften des Wassers gäbe es kein Leben auf der Erde und wir könnten uns nicht den Kopf zerbrechen, warum dies so ist!

Wasser besitzt eine besonders hohe Verdampfungswärme, d. h. wer 1 Mol Wasser (das sind 18g) bei konstanter Temperatur durch Sieden verdampfen will, muss mehr als doppelt so viel Wärme zuführen wie bei den anderen oben genannten Verbindungen – und das, obwohl diese eine größere Molekülmasse haben.

Die Einheit "Mol" eignet sich besonders gut zum Vergleich von Stoffeigenschaften, da in einem Mol eines jeden Stoffes - also der Menge, deren Masse in Gramm ihrer relativen Molekülmasse entspricht - dieselbe Anzahl von Teilchen enthalten ist, nämlich 6,023 · 1023. 1 Mol eines jeden Stoffes enthält diese unglaublich große Zahl an Molekülen.