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Pocken, Grippe, Cholera, HIV Wann endet eine Pandemie?

Wann ist eine Pandemie vorbei? Wenn alle geimpft sind? Oder muss der Erreger ausgerottet sein? Wann und wie bisherige Pandemien endeten.

Von: Heike Westram

Stand: 06.05.2024 |Bildnachweis

Pandemien sind so vielfältig wie die Erreger, die sie auslösen. Während manche Seuchen jahrhundertelang Schrecken verbreiteten, verschwinden andere Infektionskrankheiten scheinbar wie von selbst wieder. Im Idealfall wurde der Erreger einer Pandemie ausgerottet, doch das ist ausgesprochen selten. Eine Pandemie lässt sich aber manchmal auch so effektiv aufhalten, dass sie irgendwann für beendet erklärt werden kann. Und andere Pandemien haben bis heute nicht geendet - wir halten sie aus, wenn auch nicht immer "einfach".

Jahrhundertelang haben Variolaviren die Pocken übertragen und allein im 20. Jahrhundert etwa eine halbe Milliarde Todesopfer gefordert. Die Sterblichkeitsrate betrug bei den Pocken bis zu dreißig Prozent. Doch seit 1980 gelten die Pocken als weltweit ausgerottet. Der letzte offizielle Pockenkranke war 1977 ein Koch in Somalia.

Allerdings boten die Pocken ideale Voraussetzungen für die Ausrottung: Das Virus wurde nur von Mensch zu Mensch übertragen, während Corona und andere Viren tierische Zwischenwirte haben, in denen sie alle Pandemie-Maßnahmen überleben können. Zudem waren die Pocken-Symptome so eindeutig, dass Infizierte leicht erkannt und isoliert werden konnten. Einmal an den Pocken erkrankt, war man lebenslang immun gegen den Erreger.

Pandemie wurde weggeimpft

Wesentlich für den erfolgreichen Kampf gegen die Pocken war eine weltweite Impfkampagne, die die Weltgesundheitsorganisation WHO 1967 startete - mit einem sehr potenten Impfstoff, der noch dazu leicht zu handhaben war, weil er beispielsweise nicht gekühlt werden musste.

Das Ende einer Pandemie durch Immunität gegen den Erreger

Die Pockenimpfung konnte eine weltweite Immunität herstellen, die so lange anhielt, bis das Virus tatsächlich verschwunden war, weil es keinen Überträger mehr fand. In Einzelfällen tritt das auch ohne Impfstoff bei Epidemien auf, jedoch eher lokal begrenzt. So heißt es von der Masern-Epidemie, die 1846 die Färöer-Inseln heimsuchte, dass sie nach fünf Wochen einfach vorbei war, weil sich mehr als drei Viertel der Bevölkerung angesteckt hatten und anschließend immun waren. Denn auch nach einer Masern-Erkrankung gibt es, wie bei den Pocken, eine lebenslange Immunität gegen den Erreger. Doch da die Immunität nicht vererbt wird und das Masernvirus nicht weltweit ausgerottet wurde, könnten die Masern auch auf diesen Inseln jederzeit wieder eine Epidemie auslösen, wenn der Impfschutz der Bevölkerung nicht ausreicht.

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Im 16. Jahrhundert hatten die Pocken viele Großreiche entvölkert. Seit 1980 gilt die Seuche als besiegt.  | Bild: BR/Gut zu wissen
Video: Pandemien der Vergangenheit und Gegenwart

Das Virus schwächt sich so weit ab, dass die Pandemie ausläuft

Es gibt die These, dass es für Erreger vorteilhaft ist, wenn sie sich im Laufe einer Pandemie abschwächen. Sterben die Infizierten zu früh, können sie die Krankheit ja nicht weiter verbreiten. So formuliert klingt das nach einem strategischen Ziel eines Virus. Ursache einer Mutation, einer Veränderung des Virus, ist aber schlicht der Zufall. Beim Coronavirus, dass ein Infizierter ja bereits in den ersten Tagen, noch vor Auftreten schwerer Symptome, weitergibt, spielt es keine Rolle, ob oder wie schnell eine infizierte Person stirbt. Auch sehr aggressive Varianten des Virus könnten sich weiter verbreiten.







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